Den Hausbau per Lebensversicherung finanzieren?

Der Hausbau kann tatsächlich teilweise mittels einer Lebensversicherung finanziert werden, indem man sie mit einem Kredit kombiniert. Für das Darlehen zahlt man dann im Rahmen der vereinbarten Laufzeit zu die Zinsen. Die Tilgung erfolgt erst nach Ablauf, wenn die Lebensversicherung ausgezahlt wird. Ob dies eine sinnvolle Lösung ist, hängt davon ab, ob man das Haus selbst nutzen oder daraus Kapital schlagen möchte.

Während sie für Selbstnutzer weniger von Interesse ist, können Kapitalanleger durchaus von steuerlichen Vorteilen profitieren. Vor einigen Jahren war diese Kombination noch sehr populär, da auf die Erträge aus der Lebensversicherung meistens keine Steuern gezahlt werden mussten. Die Einsparmöglichkeiten sind mittlerweile aber wesentlich geringer, so dass diese Variante eher für bereits bestehende Lebensversicherungen zu empfehlen ist.

So kann eine existierende Lebensversicherung für die Baufinanzierung verwendet werden

Möchte man eine bestehend Lebensversicherung für die spätere Tilgung eines Baukredits nutzen, sollte zunächst einmal kalkuliert werden, ob sich dies finanziell überhaupt rechnet. Dem wäre so, wenn die Zinsen für den Kredit niedriger sind, als die Rendite aus der Lebensversicherung, nachdem man alle Kosten abgezogen hat. Dies ist vor allem in den folgenden Fällen zu erwarten:

  • der Abschluss der Lebensversicherung erfolgte vor dem 31.12.2004
  • Beiträge wurden über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren einbezahlt
  • am Ende wird der Betrag komplett in einer Summe ausgezahlt
  • die Laufzeit des Vertrags beträgt mindestens 12 Jahre

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, fallen auf die Erträge aus der Lebensversicherung keine Steuern an. Soll die Lebensversicherung als Teil der Finanzierung fungieren, sollte der Großteil dieser Konditionen aber ohnehin erfüllt sein.

Lebensversicherung für die Baufinanzierung – so funktioniert es

Wenn eine Immobilie auf klassische Art und Weise finanziert wird, erfolgt die Rückzahlung des Kredits durch feste monatliche Raten über eine festgelegte Laufzeit. Dieser Betrag tilgt nicht nur schrittweise das Darlehen, sondern dient auch der Abzahlung der anfallenden Zinsen. Dient der Finanzierung allerdings eine Lebensversicherung, so ist keine Tilgung notwendig.

Die Schulden werden am Ende der Laufzeit dann einfach mit der Auszahlung der Lebensversicherung getilgt. Bei dieser Variante gibt es zwei Möglichkeiten. Manchmal ist der Ertrag am Ende so hoch, dass eine Rückzahlung des Darlehens viel schneller möglich ist. Eventuell übersteigt der Betrag aber sogar die Summe des Kredits, so dass man noch von einem Gewinn profitieren kann.

Auch wenn diese Gründe verlockend klingen, so geht die Rechnung aber dennoch oftmals nicht auf, weil

  • man eine volle Versteuerung der Erträge vornehmen muss, wenn der Vertrag nach dem 01.01.2005 abgeschlossen wurde. Erfolgte der Abschluss vor dem 31.12.2011, muss nur die Hälfte versteuert werden, falls die Auszahlung vor dem vollendeten 60. Lebensjahr vorgenommen wird. Bei allen später abgeschlossenen Lebensversicherungen greift diese Regelung ab dem 62. Lebensjahr.
  • bei neueren Lebensversicherungen die garantierte Verzinsung immer niedriger ausgefallen ist.
  • sich der Ertrag der Lebensversicherung nicht aus den den Zinsen bildet, sondern auch die Überschussbeteiligungen hinzukommen, die unterschiedlich hoch ausfallen können.

Finanzierung über Lebensversicherung lohnt sich nur für Kapitalanleger

Soll die Immobilie später selbst genutzt werden, ist eine Baufinanzierung per Lebensversicherung sicher nicht die beste Lösung. In diesem Fall kann nur die Absicherung im Fall des Tods als Vorteil gewertet werden. Für diesen Zweck kann aber auch eine klassische Risikolebensversicherung dienen, die wesentlich kostengünstiger ist.

Kapitalanleger sollten aber durchaus über den Abschluss einer Lebensversicherung für die Baufinanzierung nachdenken und Vor- und Nachteile im individuellen Fall abwägen. Kapitalanleger haben nämlich die Möglichkeit, die Zinsen bei der Steuererklärung als Werbungskosten anzurechnen. Finanziert man den Bau durch ein normales Darlehen, so fällt der Anteil der Zinsen immer niedriger aus, je mehr des Kredits getilgt wurde, somit wird auch die Steuerersparnis immer geringer.

Da bei einer Lebensversicherung keine Tilgung erfolgt, verändern sich die monatlichen Zinsen nicht, so dass weniger Steuern bezahlt werden müssen. Eine Immobilie wird über einige Jahre finanziert, so dass Werbungskosten über den kompletten Zeitraum geltend gemacht werden können. Wie rentabel diese Variante am Ende ist, das hängt schließlich aber vom Ertrag der Versicherung ab. In der Regel kann auf jeden Fall von einem finanziellen Vorteil ausgegangen werden, wenn der Vertrag vor dem Jahr 2005 abgeschlossen wurde.

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