Provisionsgrenzen in der Lebensversicherung

Die Finanzaufsicht Bafin möchte die Vertriebskosten bei Lebensversicherungen senken, um die Belastung für Verbraucher im Rahmen zu halten. Aus diesem Grund wird beabsichtigt, dass künftig von den Versicherungen nur noch vier Prozent der Beiträge als Provision an die Vermittler weitergegeben werden dürfen. Insgesamt könnten auf diese Weise rund sieben Milliarden Euro eingespart werden.

Versicherungen sollen vor allem im Interesse des Kunden handeln

Von der Summe, die ein Kunde während der kompletten Vertragslaufzeit an die Versicherung entrichtet, sollen die Makler in Zukunft nur noch höchstens 2,5 Prozent bekommen. Den Versicherern steht es darüber hinaus frei, zusätzliche 1,5 Prozent bei der Einhaltung von bestimmten Qualitätskriterien zu gewähren. Sind die Kunden mit dem Service eines Vermittlers zufrieden, gehen kaum Beschwerden ein, und ist die Kündigungsquote niedrig, so kann dieser sich über insgesamt vier Prozent Provision freuen. Bekommt der Makler für weitere Dienstleistungen noch Vergütungen, dann muss die Summe dafür in einem Rahmen bleiben, die auch für einen fremden Dienstleister gelten würde.

Das Versicherungsaufsichtsgesetz wurde insofern geändert, dass man eine EU-Richtlinie umsetzen kann. Versicherungsunternehmen sollen dadurch künftig keine Anreize für Makler mehr schaffen, dass diese ihren Kunden eine bestimmte Versicherung empfehlen. Sie sollen sich ganz auf die Bedürfnisse der Verbraucher einstellen und individuell das beste Produkt finden. Ziel ist also, dass Versicherungen mit Ehrlichkeit überzeugen und kundenorientiert arbeiten.

Politiker hätten am liebsten ein komplettes Verbot von Provisionen

In der Politik wird das Thema heiß diskutiert und eine Deckelung von 2,5 Prozent verlangt. Am liebsten wäre es den Politikern jedoch, wenn es in Zukunft gar keine Provisionen für Vermittler gäbe. Auf alle Fälle ist man sich jedoch einig, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann. Von den Anbietern von Lebensversicherungen werden pro Jahr etwa sieben Milliarden Euro für Provisionen und weitere Abschlusskosten ausgezahlt.

In der Folge ist es in den letzten Jahren zu immer geringeren Renditen für die Versicherungsnehmer gekommen. In der Politik hat man deshalb Angst, dass die private Altersversorgung für Verbraucher immer uninteressanter wird. Im Jahr 2014 wurden die Gesetze bezüglich Lebensversicherungen schon entsprechend angepasst. Zwar gab es keine harte Deckelung, allerdings legte man eine Höchstgrenze von 2,5 Prozent fest, welche dem Kunden von den Versicherungen direkt in Rechnung gestellt werden dürfen.

In den letzten vier Jahren hat sich aber dadurch nur minimal etwas verändert, die gewünschte Reduzierung des Provisionsaufwands ist nicht eingetroffen, so dass es zu einer erneuten Debatte kommen wird.

Wird die gesetzliche Deckelung kommen?

Im Bundestag wird also demnächst wieder eifrig diskutiert werden, denn Einigkeit gab es bisher leider nicht. Die Grünen sind für ein vollständiges Verbot von Provisionen, wie dies schon in Skandinavien, den Niederlanden und in Großbritannien praktiziert wird. Den Mitgliedern der großen Koalition schwebt hingegen eine Deckelung vor.

In der Öffentlichkeit sind die Versicherungsunternehmen bist her strikt gegen eine Begrenzung der Provisionen für die Vermittler. Allerdings werden mittlerweile im Hintergrund auch Stimmen laut, die sich für eine Deckelung aussprechen. Dazu zählen unter anderem auch die Versicherungen der Sparkasse sowie die R + V-Versicherung. Private Versicherungsgesellschaften geben den Maklerpools die Schuld daran, dass die Substanz der Versicherungen durch die hohen Provisionen in Gefahr sei.

Wenn die harte Deckelung von 2,5 Prozent kommt, dann fallen die Provisionszahlungen etwa drei Milliarden Euro geringer aus. Für die Maklerpools und diverse Strukturvertriebe könnte dies dann zum Probelm werden. Im Jahr 2012 gab es bereits eine Deckelung für Provisionen bei den privaten Krankenversicherungen durch die Regierung. Ob dies zum Erfolg geführt hat wird jedoch widersprüchlich diskutiert. Über den Erfolg gibt es widersprüchliche Aussagen: Versicherer berichten, der Markt habe sich beruhigt. Dagegen spricht Michael Heinz, Chef der Vermittlervereinigung Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, von zahlreichen Umgehungsmöglichkeiten. Das könnte auch das Problem des Grund-Vorschlags sein. Dann käme über kurz oder lang doch der gesetzliche Deckel.

Eine Absenkung der Provisionen wird unumgänglich sein

Natürlich unterstützen nicht alle Versicherungsunternehmen gleichermaßen das Vorhaben der Bundesregierung. Die kleineren Versicherer würden dadurch einen großen Teil ihres Vertriebspotentials einbüßen. Im schlimmsten Fall würden sie komplett vom Markt verdrängt oder von großen Versicherungen übernommen werden. Es ist unumstritten, dass eigentlich kein Weg an einer Provisionsabsenkung vorbei führt. Allerdings sollte man darauf achten, dass dann alle Vertriebskanäle ohne Ausnahmen im gleichen Umfang betroffen sind. Damit dies gewährleistet ist, darf die Deckelung nicht nur die Höhe der Provisionen beeinflussen. Letztendlich muss es das oberste Ziel sein, dass die Kunden von den Kürzungen profitieren.

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